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Bewerbung um einen Ausbildungsplatz: Was wirklich hineingehört

7 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Deckblatt, Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse - und was davon wirklich Pflicht ist. So stellst du eine vollständige Bewerbungsmappe zusammen, die im Betrieb nicht sofort aussortiert wird.

Bewerbung um einen Ausbildungsplatz: Was wirklich hineingehört

Eine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz ist kein Roman und kein Formular. Sie ist ein Paket aus wenigen Dokumenten, die zusammen eine einzige Frage beantworten: Warum sollte dieser Betrieb ausgerechnet dich ausbilden? Wer weiß, welche Teile dazugehören und welche Aufgabe jedes einzelne Teil hat, spart sich viel Grübeln.

Die Grundausstattung deiner Bewerbung

Für fast jeden Ausbildungsplatz brauchst du drei Dinge:

  • Anschreiben - eine Seite, in der du erklärst, warum du dich bewirbst
  • Lebenslauf - ein bis zwei Seiten, tabellarisch, lückenlos
  • Zeugnisse - das letzte Schulzeugnis, dazu Nachweise über Praktika oder Kurse

Alles andere ist optional. Ein Deckblatt kann gut aussehen, ist aber kein Muss. Ein Motivationsschreiben zusätzlich zum Anschreiben verlangt bei einer Ausbildung praktisch niemand. Und ein Foto ist rechtlich nicht vorgeschrieben - in der Praxis wird es bei Ausbildungsbewerbungen aber häufig noch erwartet und selten negativ bewertet.

Reihenfolge in der Mappe

Wenn du alles zu einer PDF zusammenfügst, hat sich diese Reihenfolge eingebürgert:

  1. (optional) Deckblatt
  2. Anschreiben
  3. Lebenslauf
  4. Zeugnisse und Nachweise

Das Anschreiben liegt obenauf, weil es zuerst gelesen wird. Der Lebenslauf folgt, weil dort die Fakten stehen. Die Zeugnisse kommen zuletzt, weil sie nur belegen, was du vorher behauptet hast.

Das Anschreiben: kurz, konkret, auf den Betrieb bezogen

Eine Seite reicht. Wichtig sind drei Punkte: Warum dieser Beruf? Warum dieser Betrieb? Was bringst du mit? Wer schreibt "Ich bin motiviert, teamfähig und belastbar", hat nichts gesagt. Wer schreibt "Beim zweiwöchigen Praktikum in der Kfz-Werkstatt Berger habe ich Reifen gewechselt und bei einer Inspektion assistiert - danach war für mich klar, dass ich das lernen will", hat etwas gesagt.

Wie du ein Anschreiben Absatz für Absatz aufbaust und welche Formulierungen du besser streichst, liest du im Detail unter Das Anschreiben für die Ausbildung.

Der Lebenslauf: Fakten in Tabellenform

Der Lebenslauf ist der Teil, den Ausbilderinnen und Ausbilder am schnellsten überfliegen. Deshalb gilt: übersichtlich, tabellarisch, in umgekehrt chronologischer Reihenfolge - das Neueste zuerst.

Hinein gehören:

  • Persönliche Daten: Name, Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum
  • Schulbildung: Schulen mit Zeitraum, angestrebter oder erreichter Abschluss
  • Praktika und Nebenjobs: mit Betrieb, Zeitraum und einem Stichwort zur Tätigkeit
  • Kenntnisse: Sprachen, EDV, Führerschein, falls vorhanden
  • Interessen: nur, wenn sie etwas über dich aussagen

Zwei Klassiker, die Punkte kosten

Zwei Fehler tauchen in fast jedem Bewerbungsstapel auf: eine E-Mail-Adresse wie sunnygirl2009@... und ein unerklärter Zeitraum ohne Angabe. Leg dir eine seriöse Adresse aus Vor- und Nachnamen zu und schreib lieber "Orientierungsjahr" oder "Schulwechsel" hin, als eine Lücke zu lassen.

Der Lebenslauf muss nicht beeindruckend sein. Er muss vollständig, ehrlich und in dreißig Sekunden erfassbar sein.

Zeugnisse: welche und wie viele

Beileg das aktuellste Schulzeugnis - also entweder das Abschlusszeugnis oder, wenn du noch zur Schule gehst, das letzte Halbjahreszeugnis. Dazu kommen Praktikumsbescheinigungen, Arbeitszeugnisse aus Nebenjobs und Bescheinigungen über Kurse oder Ehrenämter, sofern sie zum Beruf passen.

Was du weglassen kannst

Nicht beilegen: Zeugnisse aus der Grundschule, jede einzelne Teilnahmeurkunde und Dokumente, die niemand angefordert hat. Ein Stapel aus fünfzehn Anhängen wirkt nicht fleißig, sondern unsortiert. Drei bis fünf gute Nachweise reichen völlig.

Sonderfälle, die fast jeder hat

Kaum eine Bewerbungsmappe ist glatt. Was dir unangenehm ist, ist für Ausbilderinnen und Ausbilder Alltag - entscheidend ist, wie du damit umgehst.

Schlechte Noten in einem Fach. Verschweigen bringt nichts, das Zeugnis liegt ja bei. Fällt ein Fach ab, das für den Beruf wichtig ist, nimm es im Anschreiben in einem Satz auf und sag, was du dagegen tust: Nachhilfe, ein Kurs, ein besserer Zwischenstand. Fächer ohne Bezug zum Beruf kommentierst du gar nicht.

Eine Lücke im Lebenslauf. Ein abgebrochenes Schuljahr, ein Schulwechsel, eine längere Krankheit - all das kannst du benennen, ohne dich zu rechtfertigen. Schreib den Zeitraum hin, gib ihm eine sachliche Überschrift und lass es dabei. Unerklärte Monate werfen mehr Fragen auf als erklärte.

Kein Praktikum, keine Erfahrung. Dann zählt, was du sonst getan hast: Nebenjob, Verein, Technik-AG, Reparaturen im Freundeskreis, Betreuung jüngerer Geschwister. Erfahrung heißt nicht zwingend Betriebserfahrung, sondern nachweisbares Tun.

Quereinstieg oder zweiter Anlauf. Eine abgebrochene Ausbildung oder ein abgebrochenes Studium gehört in den Lebenslauf. Im Anschreiben brauchst du dafür zwei Sätze: was nicht gepasst hat und was du daraus gelernt hast. Ein begründeter Abbruch wirkt reifer als eine verschwiegene Lücke.

Digital bewerben: Format und Dateiname

Die meisten Betriebe nehmen Bewerbungen heute per E-Mail oder über ein Onlineformular entgegen. Dafür gilt:

Punkt Empfehlung
Format Eine einzige PDF-Datei, keine Word-Dokumente, keine Fotos vom Zeugnis
Dateiname Bewerbung_Vorname_Nachname_Beruf.pdf
Dateigröße So klein wie möglich, große Anhänge bleiben in Filtern hängen
E-Mail-Text Kurze höfliche Nachricht, kein zweites Anschreiben
Betreff Beruf, Ausbildungsbeginn und ggf. Referenznummer

Scannen statt fotografieren

Scanne Zeugnisse mit einer Scanner-App statt sie schief zu fotografieren. Ein lesbarer Scan ist ein Zeichen von Sorgfalt - und Sorgfalt ist in fast jedem Ausbildungsberuf ein Auswahlkriterium.

Bevor du auf Senden klickst

Geh diese Punkte durch:

  • Stimmt der Name des Betriebs überall? Ein kopiertes Anschreiben mit falscher Firma ist das häufigste K.-o.-Kriterium.
  • Ist eine Ansprechperson genannt, oder steht dort "Sehr geehrte Damen und Herren"? Beides ist erlaubt, ein Name wirkt aber persönlicher.
  • Passt der genannte Ausbildungsberuf exakt zur ausgeschriebenen Stelle?
  • Hat jemand anderes Korrektur gelesen? Eigene Tippfehler übersieht man zuverlässig.
  • Sind Telefonnummer und E-Mail korrekt - und ist deine Mailbox besprochen?

Wie viele Bewerbungen sind sinnvoll?

Eine feste Zahl gibt es nicht. In stark nachgefragten Berufen brauchst du mehr Anläufe als in Branchen, die händeringend suchen. Sinnvoll ist es, parallel zu bewerben statt nacheinander zu warten, und dabei eine kleine Liste zu führen: Betrieb, Datum, Stand der Rückmeldung. So verlierst du nicht den Überblick und weißt beim Rückruf sofort, worum es geht.

Wenn eine Absage kommt

Absagen sagen selten etwas über deine Person aus. Nutzen kannst du sie trotzdem:

  • Frag höflich nach dem Grund. Nicht jeder Betrieb antwortet, manche geben aber einen brauchbaren Hinweis.
  • Prüfe, ob dieselbe Mappe an alle Betriebe ging. Wenn ja, steckt das Problem meist im Anschreiben ohne Bezug zum einzelnen Betrieb.
  • Notiere den Betrieb trotzdem. Wer im nächsten Jahrgang erneut ausbildet, erinnert sich an eine ordentliche Bewerbung.
  • Bewirb dich weiter parallel, statt auf eine einzelne Antwort zu warten.

Häufige Fragen

Brauche ich ein Bewerbungsfoto?

Vorgeschrieben ist es nicht, bei Ausbildungsbewerbungen aber weiterhin üblich. Es schadet dir nicht, solange es aktuell ist und vor ruhigem Hintergrund entstanden ist. Ein zugeschnittenes Urlaubsfoto ist keine Alternative.

Wie lang darf mein Lebenslauf sein?

Eine Seite reicht fast immer. Zwei Seiten sind nur sinnvoll, wenn du tatsächlich mehrere Stationen vorzuweisen hast. Die Schrift zu verkleinern, macht es schlechter, nicht besser.

Kann ich mich auf zwei Berufe im selben Betrieb bewerben?

Ja, aber schreib das offen hin und begründe es. Zwei fast identische Bewerbungen an dieselbe Adresse fallen unangenehm auf.

Muss ich unterschreiben, wenn ich digital bewerbe?

Eine eingescannte Unterschrift unter Anschreiben und Lebenslauf ist üblich, aber keine Pflicht.

Wann sollte ich mich bewerben?

Viele Betriebe suchen rund ein Jahr vor Ausbildungsbeginn, große Unternehmen oft früher, kleinere teils sehr kurzfristig. Verlässliche Angaben für deine Region und Branche bekommst du bei der Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit. Wer spät dran ist, hat trotzdem Chancen, weil regelmäßig Plätze wieder frei werden.

Passende Stellen findest du in unserer Übersicht der Ausbildungsplätze. Und wenn du dir bei der Berufswahl noch unsicher bist, hilft dir der Beitrag Wie du den passenden Ausbildungsberuf findest beim Sortieren. Weitere Beiträge rund um Ausbildung und Bewerbung sammeln wir im Ratgeber.

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