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Das Anschreiben für die Ausbildung: Aufbau und typische Fehler

7 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Eine Seite, vier Absätze, ein Ziel. Hier siehst du, wie ein überzeugendes Anschreiben aufgebaut ist - und welche Sätze du besser sofort löschst.

Das Anschreiben für die Ausbildung: Aufbau und typische Fehler

Das Anschreiben ist der einzige Teil deiner Bewerbung, in dem du selbst sprichst. Der Lebenslauf zählt auf, die Zeugnisse belegen - das Anschreiben erklärt. Genau deshalb wird es zuerst gelesen und entscheidet oft darüber, ob der Rest überhaupt geöffnet wird.

Der Rahmen: eine Seite, nicht mehr

Ein Anschreiben für eine Ausbildung passt auf eine DIN-A4-Seite. Es besteht aus Briefkopf, Betreffzeile, Anrede, drei bis vier Absätzen, Grußformel und Unterschrift. Wer mehr braucht, hat sich nicht kurzgefasst, sondern ausgeholt.

Briefkopf und Betreff

Oben links oder rechts stehen deine Daten: Name, Adresse, Telefonnummer, E-Mail. Darunter die Anschrift des Betriebs, darunter Ort und Datum. Der Betreff steht fett und ohne das Wort "Betreff":

Bewerbung um einen Ausbildungsplatz als Fachkraft für Lagerlogistik zum 1. August 2027

Wenn in der Stellenanzeige eine Referenznummer steht, gehört sie in dieselbe Zeile oder direkt darunter. Betriebe mit vielen Ausschreibungen sortieren danach.

Die Anrede

Such nach einem Namen. In der Anzeige, auf der Karriereseite, im Impressum. "Sehr geehrte Frau Wagner," schlägt "Sehr geehrte Damen und Herren," deutlich - es zeigt, dass du dich mit dem Betrieb beschäftigt hast. Findest du niemanden, ist die allgemeine Anrede völlig in Ordnung. Nach der Anrede steht ein Komma, der nächste Satz beginnt klein.

Der Aufbau in vier Absätzen

1. Einstieg: Warum schreibst du?

Der erste Satz entscheidet, ob weitergelesen wird. Streich "hiermit bewerbe ich mich" - das steht schon im Betreff. Steig stattdessen mit dem Anlass ein: dem Praktikum, das dich überzeugt hat, dem Messegespräch, dem konkreten Detail aus der Anzeige.

Schwach: Hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle. Besser: Beim Tag der offenen Tür im März habe ich in Ihrer Werkstatt zum ersten Mal an einer Hebebühne gestanden - seitdem ist der Kfz-Beruf für mich keine vage Idee mehr.

2. Motivation: Warum dieser Beruf?

Hier erklärst du, woher dein Interesse kommt und woran du es festmachst. Beziehe dich auf etwas Erlebtes: ein Praktikum, einen Nebenjob, ein Schulfach, ein Projekt. Wichtig ist der Beleg, nicht die Behauptung.

3. Passung: Warum dieser Betrieb - und warum du?

Nenne ein bis zwei Dinge, die genau diesen Betrieb ausmachen: das Ausbildungskonzept, die Größe, die Branche, ein bestimmter Arbeitsbereich. Danach führst du zwei oder drei Stärken auf, jeweils mit einem Beispiel dahinter. "Sorgfältig" allein ist eine Leerformel. "Im Praktikum habe ich die Wareneingangslisten geführt und Abweichungen selbst nachrecherchiert" ist ein Beleg.

4. Schluss: klar und ohne Konjunktiv

Zum Ende bittest du um ein Gespräch. Direkt, nicht verdruckst.

Schwach: Über eine Einladung würde ich mich sehr freuen. Besser: Über ein persönliches Gespräch freue ich mich - Sie erreichen mich jederzeit unter der oben genannten Nummer.

Wenn dein Schulabschluss noch aussteht, gehört das ebenfalls in den Schlussteil: Wann machst du deinen Abschluss, ab wann kannst du anfangen?

Beispiele: zwei Einstiege, die funktionieren - und einer, der nicht funktioniert

Der Unterschied liegt selten am Stil. Er liegt daran, ob im ersten Satz etwas steht, das nur auf dich und diesen Betrieb zutrifft.

Funktioniert nicht:

Hiermit bewerbe ich mich um die von Ihnen ausgeschriebene Ausbildungsstelle, da ich großes Interesse an Ihrem Unternehmen habe und mich beruflich weiterentwickeln möchte.

Der Satz enthält keine einzige Information, die nicht auf jede andere Bewerbung genauso passen würde. Das Problem ist nicht die Höflichkeit, sondern die Austauschbarkeit.

Funktioniert:

In Ihrer Anzeige steht, dass Auszubildende ab dem zweiten Jahr eigene Kundenaufträge betreuen. Genau an diesem Punkt hat mir die Arbeit in meinem Praktikum am meisten Spaß gemacht.

Hier ist erkennbar, dass die Anzeige gelesen wurde, und die eigene Erfahrung hängt direkt daran.

Funktioniert ebenfalls:

Seit zwei Jahren schraube ich an den Rollern meiner Freunde, bis sie wieder laufen. Was ich mir dabei selbst beigebracht habe, möchte ich als Zweiradmechatroniker von Grund auf lernen.

Kein Praktikum, kein Vorkontakt zum Betrieb - trotzdem ein konkreter Beleg statt einer Absichtserklärung.

Zehn Fehler, die immer wieder vorkommen

  • Der falsche Firmenname. Passiert beim Kopieren und ist meist das sofortige Aus.
  • Der falsche Beruf. Genauso tödlich und genauso vermeidbar.
  • Textbausteine aus dem Internet. Ausbilderinnen und Ausbilder lesen jedes Jahr Dutzende Bewerbungen und erkennen Standardsätze sofort.
  • Alles über dich, nichts über den Betrieb. Ein Anschreiben ohne einen einzigen Bezug zum Unternehmen wirkt wie ein Serienbrief.
  • Konjunktive. "Ich würde gerne", "ich könnte mir vorstellen" - schreib, was du willst.
  • Übertreibung. Wer sich als "absoluter Vollprofi" beschreibt, wird im Gespräch daran gemessen.
  • Aufgezählte Adjektive. Motiviert, zuverlässig, teamfähig, engagiert - ohne Beispiel ist das Luft.
  • Rechtschreibfehler. Nutze eine Rechtschreibprüfung und lass zusätzlich jemanden gegenlesen.
  • Zu lang. Zwei Seiten Anschreiben wirken bei einer Ausbildung unpassend.
  • Kein Datum, keine Unterschrift. Kleinigkeiten, die Sorgfalt signalisieren.

Formulierungen, die tragen

Statt Schreib lieber
Ich bin sehr motiviert. Ich habe drei Wochen freiwillig im Betrieb mitgearbeitet.
Ich arbeite gern im Team. In der Schülerfirma habe ich mit vier anderen die Bestellungen organisiert.
Ich interessiere mich für Technik. Ich repariere seit zwei Jahren Fahrräder im Freundeskreis.
Ich bin belastbar. Neben der Schule arbeite ich samstags im Einzelhandel.

Das Prinzip dahinter ist immer dasselbe: Eigenschaft behaupten ist schwach, Handlung nennen ist stark.

Wenn dein Lebenslauf Erklärungsbedarf hat

Das Anschreiben ist der Ort, an dem du unangenehme Punkte einordnest - in einem Satz, nicht in einem Absatz.

  • Schwache Note in einem relevanten Fach: benennen und sagen, was du dagegen tust. In Mathematik stand ich zuletzt auf einer Vier - seit Februar habe ich Nachhilfe und im letzten Test eine Drei geschrieben.
  • Abgebrochene Ausbildung, abgebrochenes Studium oder Schulwechsel: kurz begründen, ohne den alten Betrieb oder die Schule schlechtzumachen. Wer über andere klagt, wirkt selbst schwierig.
  • Kein einschlägiges Praktikum: auf das ausweichen, was du tatsächlich getan hast - Nebenjob, Ehrenamt, Verein, Mithilfe im Familienbetrieb.
  • Bewerbung, die nicht zur bisherigen Schullaufbahn passt: erklären, was den Ausschlag gegeben hat.

Was du nicht tust: dich entschuldigen. Ein Satz reicht, danach geht es weiter mit dem, was du kannst.

Ein Anschreiben, viele Bewerbungen?

Du musst nicht jedes Mal bei null anfangen. Absatz zwei - deine Motivation für den Beruf - bleibt meist gleich. Absatz drei muss dagegen bei jedem Betrieb neu geschrieben werden, sonst fällt der Serienbrief-Charakter auf. Plane pro Bewerbung eine halbe Stunde für diesen Teil ein.

Häufige Fragen

Duzen oder siezen?

Im Anschreiben immer siezen - auch dann, wenn der Betrieb auf seiner Website duzt. Erst wenn im direkten Kontakt eindeutig geduzt wird, kannst du nachziehen.

Wie lang sollen die Absätze sein?

Drei bis fünf Zeilen. Blöcke über zehn Zeilen liest niemand aufmerksam.

Darf in die E-Mail dasselbe wie ins Anschreiben?

Nein. In die Mail gehören zwei bis drei Sätze: worum es geht, was im Anhang liegt, ein Gruß. Das Anschreiben liegt als PDF bei.

Was, wenn in der Anzeige kein Ansprechpartner steht?

Dann ist "Sehr geehrte Damen und Herren," korrekt. Ein erfundener oder falsch geschriebener Name ist deutlich schlimmer als die allgemeine Anrede.

Soll ich die Vergütung ansprechen?

Bei einer Ausbildung nicht. Sie ist tariflich oder betrieblich geregelt und wird im Ausbildungsvertrag festgehalten. Wenn du wissen willst, was in deinem Beruf üblich ist, sieh in den Informationen der Bundesagentur für Arbeit nach, statt danach im Anschreiben zu fragen.

Wie unterschreibe ich eine digitale Bewerbung?

Unterschrift auf weißes Papier, scannen oder abfotografieren, freistellen und einfügen. Eine getippte Namenszeile ist zulässig, wirkt aber beliebiger.

Was sonst noch in die Mappe gehört, steht in Bewerbung um einen Ausbildungsplatz. Und wenn die Einladung kommt, bereitest du dich mit Vorstellungsgespräch für die Ausbildung vor. Aktuelle Stellen findest du unter Ausbildungsplätze, weitere Artikel im Ratgeber.

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