Ausbildung

Duale Ausbildung, schulische Ausbildung, duales Studium: die Unterschiede

7 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Drei Wege mit sehr unterschiedlichen Spielregeln - beim Geld, beim Lernort und beim Abschluss. Dieser Überblick zeigt dir, welcher Weg zu welcher Lebenssituation passt.

Duale Ausbildung, schulische Ausbildung, duales Studium: die Unterschiede

"Ausbildung" ist in Deutschland kein einheitlicher Begriff. Dahinter stecken mindestens drei verschiedene Systeme, die sich beim Lernort, bei der Bezahlung und beim Abschluss deutlich unterscheiden. Wer das durcheinanderbringt, bewirbt sich am falschen Ort oder wundert sich später über Schulgeld.

Die duale Ausbildung

Die duale Ausbildung ist der bekannteste Weg. "Dual" heißt: Du lernst an zwei Orten.

  • Im Betrieb verbringst du den größten Teil der Zeit und lernst die Praxis.
  • In der Berufsschule kommt die Theorie dazu - entweder an festen Wochentagen oder in mehrwöchigen Blöcken.

Grundlage ist ein Ausbildungsvertrag zwischen dir und dem Betrieb. Die Ausbildungsordnung legt fest, was in welchem Ausbildungsjahr vermittelt werden muss. Am Ende steht eine Prüfung vor einer Kammer - je nach Beruf der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer oder einer anderen zuständigen Stelle.

Geld und Rahmenbedingungen

Für die duale Ausbildung bekommst du eine Ausbildungsvergütung. Ihre Höhe unterscheidet sich stark nach Branche, Region und Tarifbindung und steigt in jedem Ausbildungsjahr. Es gibt eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung, deren Beträge jährlich angepasst werden; die aktuell gültigen Werte veröffentlicht das Bundesinstitut für Berufsbildung. In tarifgebundenen Betrieben liegt die Vergütung meist darüber.

Die übliche Dauer liegt bei zwei bis dreieinhalb Jahren. Bei guten Leistungen oder mit bestimmten Vorbildungen ist eine Verkürzung möglich - das musst du gemeinsam mit dem Betrieb bei der zuständigen Stelle beantragen.

Für wen sich das eignet

Für alle, die früh eigenes Geld verdienen wollen, praktisch lernen und im Betriebsalltag ankommen möchten. Die duale Ausbildung ist außerdem der Weg mit der breitesten Auswahl an Berufen und Betrieben.

Die schulische Ausbildung

Bei der schulischen Ausbildung findet die Ausbildung überwiegend an einer Berufsfachschule statt. Praxis kommt über Praktikumsphasen dazu, die in den Lehrplan eingebaut sind.

Typische Bereiche sind Gesundheit, Pflege, Therapie, Erziehung, Soziales, Design und Assistenzberufe. Manche dieser Berufe kannst du ausschließlich schulisch erlernen - eine duale Variante gibt es dort schlicht nicht.

Der entscheidende Unterschied: das Geld

Weil du keinen Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb hast, gibt es in der Regel keine Ausbildungsvergütung. An privaten Schulen kann zusätzlich Schulgeld anfallen. Es gibt allerdings deutliche Ausnahmen: In mehreren Gesundheits- und Pflegeberufen sind Ausbildungen inzwischen vergütet und schulgeldfrei geregelt.

Ob und in welcher Höhe Unterstützung möglich ist, klärst du am besten direkt - bei der Schule selbst, bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur und beim zuständigen BAföG-Amt. Die Regelungen unterscheiden sich je nach Beruf und Bundesland.

Bevor du dich für eine schulische Ausbildung entscheidest, klär zwei Dinge schriftlich: Fällt Schulgeld an, und ist der Abschluss staatlich anerkannt?

Das duale Studium

Das duale Studium kombiniert ein Hochschulstudium mit Praxisphasen in einem Unternehmen. Es gibt zwei Grundformen:

  • Ausbildungsintegrierend: Du machst parallel eine anerkannte Berufsausbildung und schließt mit zwei Abschlüssen ab - Kammerprüfung plus Bachelor.
  • Praxisintegrierend: Es gibt keine separate Berufsausbildung, sondern längere Praxisphasen im Partnerunternehmen und einen Bachelorabschluss.

Voraussetzung ist eine Hochschulzugangsberechtigung, also in der Regel Abitur oder Fachhochschulreife. Zusätzlich brauchst du einen Vertrag mit einem Partnerunternehmen - und genau dieser Vertrag ist meist der schwierigere Teil, weil die Plätze begehrt sind und die Bewerbungsfristen oft mehr als ein Jahr vor Studienbeginn liegen.

Bezahlt wirst du in beiden Formen üblicherweise vom Unternehmen; viele Partnerunternehmen übernehmen zusätzlich anfallende Studiengebühren. Was genau gilt, steht im Vertrag - und den solltest du vor der Unterschrift genau lesen.

Der Vergleich auf einen Blick

Merkmal Duale Ausbildung Schulische Ausbildung Duales Studium
Lernorte Betrieb + Berufsschule Berufsfachschule + Praktika Hochschule + Unternehmen
Vertragspartner Ausbildungsbetrieb meist die Schule Partnerunternehmen
Vergütung ja, steigend pro Jahr meist nein, Ausnahmen bei Pflege- und Gesundheitsberufen in der Regel ja
Mögliche Kosten keine Ausbildungsgebühr teils Schulgeld an privaten Schulen teils Studiengebühren, oft vom Unternehmen getragen
Übliche Dauer zwei bis dreieinhalb Jahre je nach Beruf, meist zwei bis drei Jahre meist drei bis viereinhalb Jahre
Abschluss Kammerabschluss staatlich anerkannter Schulabschluss im Beruf Bachelor, ggf. plus Berufsabschluss
Zugang kein bestimmter Abschluss gesetzlich vorgeschrieben je nach Beruf und Schule geregelt Hochschulzugangsberechtigung

Vor- und Nachteile gegenübergestellt

Duale Ausbildung. Dafür: eigenes Einkommen ab dem ersten Monat, die größte Berufsauswahl, gute Chance auf Übernahme im eigenen Betrieb. Dagegen: enge Bindung an genau diesen Betrieb - passt das Team nicht, hilft dir ein spannendes Berufsbild wenig. Dazu Urlaubstage statt Schulferien.

Schulische Ausbildung. Dafür: klarer Schulrhythmus mit festen Ferien, feste Klassen, Zugang zu Berufen, die es dual gar nicht gibt. Dagegen: meist keine Vergütung, an privaten Schulen Schulgeld, dazu Fahrt- und Materialkosten. Praxis kommt gebündelt, nicht täglich.

Duales Studium. Dafür: zwei Qualifikationen in einer Zeitspanne, Vergütung während des Studiums, früher Fuß in der Tür beim Unternehmen. Dagegen: Prüfungsphasen und Arbeitseinsätze wechseln sich ohne echte Semesterferien ab. Viele Verträge regeln zudem eine Bindung ans Unternehmen nach dem Abschluss - lies diesen Punkt vor der Unterschrift.

Welcher Weg passt zu dir?

Stell dir drei Fragen:

  1. Wie wichtig ist eigenes Einkommen ab dem ersten Monat? Dann spricht viel für die duale Ausbildung oder das duale Studium.
  2. Willst du in einen Beruf, den es nur schulisch gibt? Dann ist die Frage bereits beantwortet - dann geht es nur noch um Schulwahl und Finanzierung.
  3. Wie gut kommst du mit theoretischem Lernen zurecht? Ein duales Studium bedeutet Prüfungsphasen an der Hochschule zusätzlich zur Arbeit im Unternehmen. Das ist zeitlich anspruchsvoll.

Als Faustregel nach Lerntyp: Wer Dinge versteht, sobald er sie einmal selbst gemacht hat, ist in der dualen Ausbildung richtig. Wer gern strukturiert im Klassenverband lernt und in Richtung Gesundheit, Soziales oder Gestaltung will, findet das meist nur schulisch. Wem Theorie leichtfällt und wer sich über lange Phasen selbst organisieren kann, kommt im dualen Studium zurecht.

Rechne die finanzielle Seite mit durch: Wer keine Unterstützung von zu Hause hat, sollte vor der Zusage für eine unvergütete schulische Ausbildung wissen, wovon Miete und Fahrten bezahlt werden. Was an Förderung infrage kommt, sagen dir die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit und das BAföG-Amt.

Wechseln ist möglich

Eine Entscheidung mit 16 oder 17 legt dich nicht auf Jahrzehnte fest. Wechsel zwischen den Systemen sind üblich:

  • Vom dualen Studium in die Ausbildung. In der ausbildungsintegrierenden Form lässt sich oft die Berufsausbildung allein zu Ende führen.
  • Von der schulischen in die duale Ausbildung. Der schulische Teil kann je nach Beruf angerechnet werden. Ob und wie viel, entscheidet die zuständige Kammer auf Antrag.
  • Von der Ausbildung ins Studium. Ein Berufsabschluss ist in allen Bundesländern ein möglicher Hochschulzugang, auch ohne Abitur.

In allen Fällen gilt: erst mit der Ausbildungsberatung der Kammer sprechen, dann kündigen. Wer die Reihenfolge tauscht, verliert Zeit, die sich sonst hätte anrechnen lassen.

Was nach dem Abschluss möglich ist

Keiner der drei Wege ist eine Sackgasse.

  • Nach einer dualen Ausbildung führen Fortbildungen weiter: Meister, Fachwirt oder Techniker je nach Branche. Sie berechtigen ebenfalls zum Studium; zur Finanzierung berät die Kammer.
  • Nach einer schulischen Ausbildung sind Fachweiterbildungen üblich, in Pflege- und Therapieberufen auch aufbauende Studiengänge.
  • Nach einem dualen Studium stehen der Berufseinstieg im Partnerunternehmen und später ein Master offen, oft berufsbegleitend.

Häufige Fragen

Ist ein Bachelor mehr wert als ein Meister?

Nein. Meister, Fachwirt und Bachelor sind im Deutschen Qualifikationsrahmen auf derselben Niveaustufe eingeordnet. Entscheidend ist, welche Tätigkeit du machen willst - nicht die Bezeichnung auf dem Papier.

Kann ich mich parallel auf alle drei Wege bewerben?

Ja, und es ist sinnvoll: Die Fristen liegen weit auseinander. Duale Studienplätze und große Ausbildungsbetriebe schließen früh ab, kleine Betriebe suchen später.

Bekomme ich in einer schulischen Ausbildung wirklich nie Geld?

Das hängt vom Beruf ab. In mehreren Gesundheits- und Pflegeberufen sind Ausbildungen vergütet und schulgeldfrei geregelt. Frag im konkreten Fall bei der Schule nach.

Wenn du noch beim Beruf selbst unsicher bist, hilft dir Wie du den passenden Ausbildungsberuf findest. Was danach kommt, beschreibt Was dich im ersten Ausbildungsjahr erwartet. Freie Stellen findest du unter Ausbildungsplätze.

Bereit für den nächsten Schritt?

Setz dein Wissen direkt ein und finde einen freien Ausbildungsplatz in deiner Nähe – kostenlos und ohne Anmeldung.

Ausbildungsplätze finden

Das könnte dich auch interessieren

Alle Beiträge